Sechs Technologien, die zukünftig oder sogar schon heute zu einer möglichst optimalen Netzauslastung beitragen und so dabei helfen, grünen Strom in die vorhandenen Netze zu integrieren.

Bund und Länder wollen ihre Ausbauziele für erneuerbare Energien zukünftig besser miteinander abstimmen. Wie das genau funktionieren soll, ist aber noch unklar.

Die Energiewende wird es nicht zum Nulltarif geben, doch wie teuer wird es uns kommen, würden wir auf sie verzichten?

Der Erfolg der Energiewende hängt vom Mitmachen aller ab: Durch die Wahl des Stromanbieters, durch eigene Effizienzmaßnahmen oder durch die Veränderung des eigenen Verhaltens. Der vielleicht wichtigste Beitrag dabei ist die Wahrnehmung und Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven.

Die Stromnetze der Zukunft müssen intelligent sein, d. h. sie müssen wissen, was in ihnen vorgeht und sie müssen auf eine schwankende Stromeinspeisung reagieren können. Wie das funktionieren kann, zeigt das Projekt „Smart Country“.

Strom kann man nicht speichern – oder vielleicht doch? Mithilfe der Elektrolyse kann Ökostrom in Gas umgewandelt und so im großen Maßstab aufbewahrt werden.

17.06.2014

Die Energiewende wieder zum Klimaschutzprojekt machen

Der Klimaschutz ist und bleibt eines der Hauptanliegen der Energiewende. Doch trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien verfehlt Deutschland seine CO2-Reduktionsziele. Was läuft also schief beim Umbau der Energieversorgung?


Anfang April hat das Bundeskabinett den vom Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, vorgelegten zweiten Monitoring-Bericht »Energie der Zukunft« verabschiedet. Der Monitoring-Bericht erscheint jährlich und dokumentiert anhand ausgewählter Fakten und Daten den Umbau der Energieversorgung und die Umsetzung des Energiekonzeptes 2010. Dabei werden die Fortschritte und Herausforderungen in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Kraftwerke, Stromnetze, Treibhausgasemissionen und Energiepreise beleuchtet.

Die gute Nachricht im aktuellen Bericht: Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 18 Prozent zu erhöhen, scheint erreichbar. Davon geht auch die vierköpfige, unabhängige Expertenkomission aus, die das Monitoring der Energiewende wissenschaftlich begleitet und bewertet. Weniger positiv sieht es bei der Entwicklung der Treibhausgasemissionen aus. Nach dem derzeitigen Stand wird das Klimaschutzziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht erreicht. Energiewende paradox?

Auf die Partnerwahl kommt es an
Kern des Problems ist, dass Deutschland bisher an seinem hohen Bestand an alten und wenig effizienten Braun- und Steinkohlekraftwerken festhält. Diese drängen die für die Zukunft dringend benötigten flexiblen und klimaschonenderen Kapazitäten wie Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke vom Markt. Als Ursache dafür nennen Energieexeperten die derzeitige Ausgestaltung des Strommarktdesigns, in dem die Börsenpreise für Strom immer weniger Anreize bieten, in neue Anlagen zu investieren. Langfristig werden so erneuerbare Energien durch veraltete Kraftwerke ergänzt, um die Versorgungssicherheit aufrechterhalten zu können, wenn Sonne und Wind die benötigten Strommengen nicht liefern können. Die Konsequenz: »Wir sind drauf und dran, unsere Investitionen in die erneuerbaren Energien ad absurdum zu führen«, so Uwe Hilmes, Geschäftsführer des Berliner Energieberatungsinstituts »enervis energy advisors«, das im Auftrag der Trianel Kraftwerksgesellschaft die Studie »Der ideale Kraftwerkspark« erstellt hat. »Im Sinne der Energiewende und auch aus energiewirtschaftlicher Sicht sollten hocheffiziente und flexible Kraftwerke und Speicher die Partner der erneuerbaren Energien sein«, sagt Hilmes. Bis zum Jahr 2023 – dem Jahr nach dem endgültigen Atomausstieg – wird der enervis-Studie zufolge das nationale Reduktionsziel für  den Kohlendioxidausstoß um rund 12 Prozent verfehlt; bis 2040 beläuft sich die Lücke sogar auf 35 Prozent.

Auch der neue Bericht des Weltklimarates IPCC stellt klar: Ohne eine ambitionierte Klimapolitik und einen tiefgreifenden Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft kann die international vereinbarte Obergrenze von maximal 2 Grad Celsius nicht eingehalten werden. Trotz Klimaschutzanstrengungen sind die weltweiten Treibhausgasemissionen durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum mit zunehmender Geschwindigkeit angestiegen und erreichten in dieser Dekade einen Höchststand. Die Verzögerung weiterer globaler Maßnahmen zum Klimaschutz erschwert zunehmend die Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze, reduziert die Handlungsmöglichkeiten und führt zu einem erheblichen Anstieg der zukünftigen Klimaschutzkosten, heißt es in dem jüngst vorgelegten Teilbericht des IPCC.

Die Lücke schließen
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht den zentralen Schlüssel für mehr Klimaschutz in dem grundlegenden Umbau der Energieversorgung. Nötig sei eine globale Energiewende mit erneuerbaren Energien, Energie- und Ressourceneffizienz.»Wir müssen jetzt alles daransetzen, im Klimaschutz beherzt voranzugehen«, sagte Hendricks. »Deutschland kann dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn wir der Welt am praktischen Beispiel zeigen, dass Klimaschutz in einem Industrieland funktioniert. « Auf nationaler Ebene soll nun in allen Bereichen nach effizienten Lösungen gesucht werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Mit einem »Aktionsprogramm Klimaschutz 2020« will Hendricks die Lücke zum Erreichen des Klimaschutzziels bis 2020 schließen. Als Sektor mit den höchsten Treibhausgasemissionen und den größten Minderungspotenzialen soll die Energiewirtschaft dabei einen entscheidenden Beitrag leisten. Neben einer anspruchsvollen Reform des Emissionshandels deutlich vor 2020 stehen hier die energiewirtschaftlichen Weichenstellungen im Kontext der Energiewende sowie der Entwicklungspfad des konventionellen Kraftwerksparks im Fokus. Aber auch die anderen Sektoren »Haushalte«, »Gewerbe, Handel und Dienstleistungen« und »Verkehr« bergen noch große Potenziale. Bis zum Herbst soll ein konkretes Maßnahmenprogramm erarbeitet werden, das die erforderlichen Beiträge zur Schließung der Lücke zum 2020-Ziel liefert. Aber auch auf internationaler Ebene sei es wichtig, dass in diesem und nächsten Jahr die Weichen für ein verbindliches, weltweites Abkommen für die Zeit nach 2020 gestellt werden. »Europa muss hier die Führung übernehmen. Darum wollen wir so schnell wie möglich ein EU-weites Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 festlegen«, sagte Hendricks weiter.

Vorreiter Deutschland?
Bei den erneuerbaren Energien mag Deutschland noch Vorreiter sein. In Sachen Klimaschutz läuft die Bundesrepublik Gefahr, diese Position zu verlieren. »Die Energiewende kommt voran«, kann man im aktuellen Monitoring-Bericht »Energie der Zukunft« lesen. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der Treibhausgasemissionen ist diese allgemeine Aussage durchaus diskussionswürdig, heißt es dazu in der Stellungnahme der Expertenkomission.